Kompetenzzentrum Köln II

Der Kitaplatz-Horror geht weiter. Freitagnachmittag kamen die Briefe, dass wir keinen Kitaplatz erhalten haben und uns an Fröbel wenden sollen. Dort war Freitagnachmittag natürlich keiner mehr erreichbar, der zustädig war. Montag früh schrieb ich dann vor Sonnenaufgang eine Email und rief um 8 Uhr direkt an. Die zustädige Sachbearbeiterin sei erst ab 11 Uhr im Haus und ansonsten wisse man über die neue Kita nicht viel.Ich saß wie auf glühenden Kohlen und wartete, dass die drei Stunden bis 11 Uhr umgehen. Dann erreichte ich sie. Die Dame hatte leider auch keine Ahnung. Sie wisse erst seit zwei Tagen, dass Fröbel überhaupt Träger der neuen Kita ist und wie die Platzvergabe ablaufe, könne sie nicht sagen. Das Ganze würde vermutlich in 3-4 Wochen entschieden, und sie wisse überhaupt nicht, ob wir wirklich dort einen Platz bekommen können. Sie wäre überrannt mit Anfragen und könne keine Prognose abgeben, welche Chance wir auf einen Kita-Platz haben. Ich war total am Boden. Lieschen war zuhause, weil die Tagesmutter krank war, und total verstört, warum ich so fertig bin. Als ich ihr erklärte, dass es um einen Kindergarten für sie geht, verstand sie es. Nun will sie jeden Tag in den Kindergarten gehen und ich muss ihr jeden Tag erklären, dass das nicht geht, weil wir noch keinen für sie haben.

Am Montag Vormittag war ich auf jeden Fall fertig genug, dass ich noch mal bei der Stadt anrief. Es dauerte ewig, bis ich durch die Warteschleife kam. Ich las der Dame den Brief vom Jugendamt vor und die fiel aus allen Wolken. Die Formulierung sei totaler quatsch, da man sich bei der Stadt ja gar nicht für einen Kita-Platz bei Fröbel anmelden könne. Als ich erwähnte, dass bei Fröbel niemand eine Prognose abgeben kann, ob man wirklich einen Platz bekommt, war sie ganz verwirrt. Sie meinte, dass man einen sicheren Ersatzplatz angeboten bekommen muss, wenn man eine Absage erhält. Soweit war ich auch schon – aber ädert ja nichts an der Tatsache,dass es nicht so ist. Ich schilderte ihr meine Lage und dass eine Entscheidung in 3-4 Wochen für mich zu spät ist. Das ist zwei Monate vor Beginn des Kindergartenjahres – da ist keinerlei Handlungsspielraum, für nichts. Wenn wir keinen Kitaplatz bekommen, muss ich mich arbeitslos melden, da wir uns zwei Plätze bei der Tagesmutter nicht leisten können. Dann würden allermindestens 1000 € Betreuungskosten monatlich auf uns zukommen, für zwei Plätze in Halbtagsbetreuung. In diesem Falle müssten wir den Vertrag mit der Tagesmutter kündigen. Diese Frist könnten wir knapp schaffen, aber nicht die Frist für die Beantragung von Arbeitslosengeld.

Da fällt mir ein. Arbeitslosengeld könnte ich sowieso nicht beantragen. Das geht ironischerweise nur, wenn man Betreuungsplätze für die Kinder hat. Arbeitslosengeld bekommt man nur, wenn man in Arbeit vermittelbar ist – das ist man natürlich nicht mit zwei kleinen Kindern zuhause.  Genau so wurde es mir zumindest gesagt, als ich mich in Elternzeit mit Liese arbeitssuchend meldete, weil es bei der Uni mal wieder unklar war, ob ich einen Arbeitsvertrag bekommen kann oder nicht. Vermutlich hätte ich eher Anspruch auf 150€ Herdprämie. Das empfinde ich aber, ehrlich gesagt, als Beleidigung.

Die Dame an der Hotline der Stadt verstand meine Not und leitete eine Anfrage mit unseren Daten an die zustädigen Bearbeiter beim Jugendamt weiter. Es würde uns jemand zurückrufen, was bis heute natürlich nicht passiert ist.

Als ich am nächsten Morgen immer noch keinen Anmeldebogen von Fröbel gemailt bekommen hatte, rief ich noch einmal an. Die arme Frau ist vollkommen überlastet, weiß selber so gut wie nichts und hat einfach so das Chaos von der Stadt übergeben bekommen. Sie hat sich aber gefreut, dass ich für sie Verstädnis hatte. Ob die Anfragen schon die Anzahl der Plätze übersteigen, konnte sie nicht sagen, weil sie noch keine Zeit hatte, durchzuzählen. Sie wußte nur, dass 4 Gruppen entstehen werden, auch U3-Plätze. Es gibt noch keine Info über Öffnungszeiten, Kosten oder wer die Kindergartenleitung übernimmt und wo sie so schnell die Erzieher herbekommen wollen.

Also rief ich noch einmal bei der Stadt an und hatte wieder eine ahnungslose Dame am Apparat. Sie versuchte wenigstens, mich durchzustellen, sagte aber gleichzeitig, dass ihr das noch nie gelungen wäre, obwohl sie schon sehr lange dort arbeitet. Sie klingelte die ganze Etage durch, es ging keiner ans Telefon. Sie wollte wieder meine Daten aufnehmen, damit mich jemand zurückruft. Als ich erwähnte, dass das schon jemand getan hat, erwiderte sie, dass die Bearbeitungszeit für Anfragen mit normaler Priorität momentan bei 10 Werktagen liegt. Super Sache. Es bleibt mir nur, beim Jugendamt direkt vorbei zu kommen. Dort gibt es ein Elternbüro, dass ein paar Stunden die Woche geöffnet hat. Auch wenn der Weg sehr umstädlich und recht weit ist, werde ich dort morgen mit beiden Kindern einreiten. Ich bezweifle, dass mir dort jemand helfen kann, aber ich muss es ja wenigstens versuchen.

Nachmittags auf dem Spielplatz gab es allerhand Tratsch über die Platzvergabe. Eine Mutter lernte ich kennen, die für ihre Tochter, seit Dezember 3 Jahre alt, keinen Kita-Platz erhalten hat. Sie ist bei 7 Kindergärten angemeldet, hat überall Absagen erhalten. Die Stadt hat angeblich den Antrag für die städtische Kita nicht erhalten, obwohl die Mutter eine schriftliche Eingangsbestätigung zu hause hat. Ihr Status ist bei der Stadt mittlerweile von höchste Priorität auf kritisch gestuft worden und sie kommunizieren nur noch mit der Schuldezernentin, da sowohl Jugendamt als auch Bürgermeister nicht weiterhelfen konnten. Das macht ja so richtig Mut. Sie hatte vom Jugendamt die Info, dass 80 Familien in Sülz eben jenes Schreiben bekommen haben, das wir auch erhielten und das der Fröbel-Kindergarten der Ausweichkindergarten für alle Ãœ3 und U3-Kinder werden soll, die keinen Platz in der normalen Vergabe bekommen haben.

Das habe ich mir heute morgen dann mal angeschaut. Zumindest existiert die künftige Kita schon – in Form ein paar wunderschöner Container.

Von fertig kann keine Rede sein, aber dass dort im Sommer tatsächlich ein paar Kinder einziehen sollen, kann man sich vorstellen. Das bisschen Innenausbau geht ja ruckizucki.

Die Container stehen direkt neben der Kita, in die wir eigentlich wollten. Das Freigeläde ist sehr, sehr knapp bemessen. Die Fläche war bisher immer eine (etwas schrottige) Grünfläche, auf der die IG Räuberwäldchen sich sehr engagiert hat und Mittel für Spielgeräte, Klettergerüste etc eingeworben hat. Dass diese nicht sehr begeistert über den Bau der Kita waren, kann man sich vorstellen. Aber nicht nur das – die IG und die Anwohner haben mit ebensoviel Engagement versucht, den Bau der Kita zu verhindern. Die etlichen Beschwerden, Beratungsausschüsse undundund haben vor allem eins erreicht: Der Bau wurde verzögert, so dass es jetzt zeitlich mehr als eng wird für alle Beteiligten. Und die Kita soll in 5 Jahren zurück gebaut werden. Klar, dann gibt’s hier ja auch keine Kinder mehr.So ist es also im achso weltoffenen, fröhlichen und kinderreichen Stadtviertel Köln Sülz. Letzten Endes ist sich doch jeder selbst der nächste, und ob die Elterngeneration nach mir Arbeit hat, weil sie ihre Kinder unterbringen kann – oder eben nicht, ist ja erstmal zweitrangig. Hauptsache meine eigenen Blagen können ein bissl auf einem sanierungsbedürftigen Bolzplatz abhägen und wir haben nicht städig den ganzen Lärm durch diese nervigen Kleinkinder.

Dass die temporäre Kita hier nicht sehr willkommen ist, sieht man den Containern natürlich an. Sie können noch nicht lange stehen und sind mit einem hohen Bauzaun umgeben – und trotzdem finden sich auf der Mehrzahl der Container Verunzierungen in Form von Graffitis. Dass eine Kita direkt Ziel von Vandalismus ist, gibt mir irgendwie ein flaues Gefühl im Magen, wenn ich daran denke, dass meine beiden kleinen Kinder evtl bald dorthin gehen sollen.

Aber das ist ja unfraglich Jammern auf hohem Niveau. Denn so wie die Sache aussieht, können wir mit Champagner anstoßen, wenn wir unsere Kinder überhaupt in die Betreuung kriegen…

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