Die Bahn, mal wieder

Da wir kein Auto haben, fahren wir relativ viel Bahn. Dementsprechend viele Horror- und Pannengeschichten haben sich angesammelt. Ich will ja nicht angeben, aber mittlerweile könnte ich Bücher füllen über meine negativen Erlebnisse mit der Deutschen Bahn. Heute war wieder so ein Tag.

Mein absoluter Favorit war bisher ja immer die Bahnfahrt aus dem Erzgebirge zurück nach Köln, mitten im Winter. Kurz vor Zielbahnhof Nürnberg fiel dem Lokführer auf einmal ein, sein Zug sei irgendwie defekt oder wasauchimmer und setzte alle Leute mitten im Nirgendwo im Schnee aus. Meine Tochter war gerade mal 3 Monate alt und da standen wir dann bei Minus Fünf Grad (oder weniger! Drama!) auf dem Bahnsteig. Uns wurde nicht gesagt, ob und wann eine Bahn kommt, um uns aus der Schneekälte abzuholen. Und dann bekam das Baby natürlich auch noch Hunger….

Dieses Wochenende war es nicht besonders kalt, aber besonders heiß und möglicherweise wird die Story von heute mein neuer Favorit in Sachen Unmöglichkeit. Wir waren über’s Wochenende in Paderborn bei Freunden. Auf der Hinfahrt gab es nur die übliche halbe Stunde Verspätung und Überfüllung. Auf dem Rückweg mussten wir dann in Dortmund ganz schnell alle aussteigen wegen einer defekten Klimaanlage. Wenn ich allein mit meinen beiden Kleinen unterwegs bin, wähle ich eigentlich immer Verbindungen ohne Umsteigen. Das ist allein mit Kinderwagen, Gepäck und einem Kleinkind an der Hand einfach zu stressig. Zumal man ja für jeden Umsteigepunkt einkalkulieren muss, dass man wegen Verspätungen den Anschlusszug mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit eh nicht kriegt und somit deutlich länger unterwegs ist.

In Dortmund checkte ich schnell die Möglichkeiten. Es sah nicht ganz so gut aus – die Verbindungen nach Köln waren entweder mit Umsteigen oder mit lägeren Wartezeiten verbunden. Während ich uns durch den Bahnhof schob – der in Dortmund(!) übrigens immernoch nicht(!!) barrierefrei(!!!) ist – kam ich zufällig direkt an dem Gleis vorbei, auf dem der Zug Richtung Köln stand. Mit Umstieg in Wuppertal. Vor dessen Treppe ein etwas gemütlicher – nein, ich bin ehrlich – ein alter fetter Sack von Bahntyp stand und „aufklärte“.

Ich fragte ihn kurz nach den Fakten: Verbindung Richtung Köln? Check. Umsteigen in Wuppertal? Check. Gleiswechsel für Umsteigen erforderlich? Nein? Check. Zug fährt wann? Oh, in zwei Minuten. Dann aber hurtig.

Ich fragte ihn, ob er mir eben helfen könne, den Kinderwagen hochzutragen. Eigentlich ein nicht allzu schwerer Buggy. Drinnen saß mein 1jähriger Sohn. Meine knapp 3jährige Tochter hatte ich an der Hand, unseren großen Rucksack auf dem Rücken. Uns war warm und ich war latent bepackt. Und was sagt dieses armselige Chauvinistenschwein zu einer bepackten Mutter zweier Kinder, deren vorläufig einziger Anschlusszug in 2 Minuten geh, in einem Bahnhof, der komplett ohne Fahrstühle ausgerüstet ist?

„Also neee, wissen Sie, wir dürfen keine Kinderwagen tragen, in denen Kinder sitzen. Wissen Sie, wenn wir stolpern…und so…“

!

Ich war total fassungslos. Bisher hatte ich das Bahnpersonal gegenüber Familien eigentlich immer als sehr kulant und hilfsbereit kennengelernt. Aber diesem Typen war es heute scheinbar einfach zu warm. Da wird einem das Hirn schon mal eng, wissen Sie, und wenn man dann stolpert….

Ich fragte noch:“Also trag ich den Kinderwagen jetzt allein hoch?“ und als der Herr Obergauleiter Gleisobervorsteher noch NICKTE und sich nicht zuckte, habe ich mir kurzerhand, mit Blick auf die Uhr, den Buggy genommen und ihn allein die Treppe hochgetragen. Liese hielt sich an der Achse fest und meinte, mir zu helfen. So konnte ich sie ganz gut mit hochziehen, denn: geholfen hat mir keiner.

In diesem Zug war es nicht nur voll, sondern auch sehr heiß. Ich bin kein Typ, dem bei Sonne der Schweiß direkt in Bächen herab rinnt. Aber dieser Zug, der hatte mindestens 40-50°C. Das haben die beiden Kleinen natürlich nicht sonderlich gut verkraftet und wir waren dann sehr froh über das Umsteigen.

Nun sitze ich hier und bin immer noch fassungslos über die Rücksichtslosigkeit und Verstädnislosigkeit gegenüber kleinen Kindern/Familien. Leider habe ich diese fiesen „Anekdötchen“ schon relativ oft erlebt. Auch da habe ich einen Favoriten, nein zwei.

Einmal, an einer Straßenbahnhaltestelle, zündete sich ein altes Schrapnell von blöder Tussi demonstrativ vor mir eine Zigarette an und blies mir Rauch entgegen. Bis ich aufstand und ging. Sie wollte meinen Sitzplatz, setzte sich und ich musste stehen.

Einmal, im Hochsommer bei über 30°C im Schatten, verwehrte mir eine nicht mehr ganz taufrische dämliche Stinktüte Dame den Gang zu freien Sitzplätzen in der Straßenbahn. Ich stand an der Tür und wollte mich auf die freien Plätze setzen. Sie stand im Gang, versperrte mir den Weg und war weder mit netten noch wütenden Worten dazu zu bewegen, einen Schritt zur Seite zu gehen, um mich durchzulassen.

In beiden Fällen war ich hochschwanger, schob mehrere Kilo Baby usw. mit mir rum und hätte für einen Sitzplatz alles gegeben.

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