Bye, Bye Sparkasse!

Ich hatte mal wieder ein schönes Erlebnis mit dem deutschen Finanz- und Bankensystem. Als Teenager habe ich bei der Sparkasse in Freiberg ein Sparkassen-Konto eröffnet. Sogar mit Geldkarte! Das war was, damals! In der Studienzeit wechselte ich zur Sparkasse in Bonn, später zu der in Köln. Da ich ein eher geiziger sparsamer Mensch bin, war mein Konto in all der Zeit – gut 15 Jahren immerhin – nicht ein Mal überzogen. Im Gegenteil: es war immer drei- bis vierstellig im Plus. Ich war eine sage und schreibe so mustergültige Bankkundin, dass mich meine eigene Spießigkeit fast schon anöden könnte.

Mehrfach haben mich meine „Kundenberater“ in der Zeit versucht, über’s Ohr zu hauen gemäß meiner Lebenssituation kompetent zu beraten. So sollte ich im Alter von unter 22 Jahren eine Riesterrente abschließen. Mitten im Studium, mit einem monatlichen Einkommen von unter 400€ hätte ich das Geld niemals aufbringen können, in dem Alter dachte ich auch eher an mein Vordiplom als die Rente – aber in dem Jahr lief mal wieder irgendein Zinssatz aus und es war ganz furchtbar wichtig, jetzt diese Riesterrente abzuschließen. Ich tat es nicht.

Später, in Köln, schloss ich einen Sparvertrag für meine Tochter ab. Und doch noch eine Riesterrente. Nicht, weil die verschiedenen Berater, bei denen ich war, mich überzeugt hatten. Ich verstehe genug von Mathematik, dass ich damit mein Geld verdiene. Die komplexe, verschachtelte Abzocke Kostenstruktur und hohen Abschlusskosten, die mir keiner korrekt erklären konnte, hatten mich abgeschreckt.  Die Riesterrente habe ich letztlich nur abgeschlossen, weil ich mein zweites Kind erwartete und die dafür gezahlten Zuschüsse des Staates die hohen Kosten (vor allem in der Anfangsphase) ausglichen. Aber  ich habe mich geärgert. Ich habe mich geärgert, dass die Berater versucht haben, mich für dumm zu verkaufen. Mit irgendwelchen fondsbasierten Renditekurven, die in den Himmel zeigten und einer gespielten Naivität zu den Kosten.

I c h  b i n  n i c h t  d u m m.

Als mein kostenloses Studenten-Girokonto auslief, habe ich mich das nächste mal geärgert. Bei den astronomisch hohen Kontoführungsgebühren von 4€ pro Monat musste ich fast schon lachen. In welcher Zeit lebt die Sparkasse? Glauben die wirklich, dass es da draußen keine Konkurrenz gibt? Seitdem habe ich mir vorgenommen, das Konto zu kündigen, habe es aber bisher (aus Bequemlichkeit) nicht getan. Aber damit nicht genug. Die staatlichen Zulagen für meine Riesterrente wurden aus irgendeinem Grund nicht gebucht und so machte ich einen Termin mit meiner Kundenberaterin. Die nahm mich leider nicht wirklich ernst und versuchte, das herunter zu spielen. Ich ärgerte mich, dass sie mich abfertigen wollte, jetzt wo sie ihr Geld mit mir schon verdient hatte. Sie versicherte mir, das Geld würde schon noch kommen. Als ich das schriftlich haben wollte, sah sie mich an, als wär ich nicht ganz dicht und ich wurde wütend.

I c h  b i n  n i c h t  d u m m.

Ich(!) erklärte ihr(!!!), dass es bei Zulagen in Höhe von 750€/Jahr sehr wohl wichtig ist, in welchem Jahr sie gezahlt werden. Sowohl für die Steuer als auch für die Zinsen. Dann nahm sie mich plötzlich ernst und die Sache wurde geklärt.

Nun kam der Gipfel. Nach einem weiteren Jahr Elterngeld, in dem eine neue Bahncard, zwei mal der Semesterbeitrag und Kosten für die Musikschule fällig waren, waren meine Ersparnisse etwas (nicht ganz!) dezimiert. Elterngeld wird Anfang des Monats gezahlt und mein Gehalt erst Ende des Monats. Also galt es ein paar Wochen zu überbrücken, in denen die Miete und andere Fixkosten natürlich trotzdem abgingen.

Mein Konto war ca. 2 Wochen mit etwas über 200€ im Minus, als ich einen bösen Brief von der Sparkasse bekam. Mein Konto sei überzogen, was nicht abgesprochen wäre und dafür würden mir hohe Kosten berechnet. Ich hätte bis zum 5.09.’13 Zeit, das Konto auszugleichen. Ich fiel aus allen Wolken. Da ich mein Konto noch nie (in 15 Jahren!) überzogen hatte, wusste ich gar nicht, dass ich keinen Dispo-Kredit habe. Ich ärgerte mich, denn noch in derselben Woche(!) hatte ich mit meiner Kundenberaterin wegen einer anderen Sache telefoniert und sie hatte mit keiner Silbe erwähnt, dass es ein Problem gibt. Zwei Tage später muss sie den Brief losgeschickt haben. Also rief ich am nächsten Werktag in der Sparkasse an, um das zu klären. Meine Kundenberaterin war nun im Urlaub und ich bekam nur ihre Vertretung ran.

Als ich erzählte, dass ich das Konto natürlich ausgleichen würde und dann gerne einen Dispo-Kredit hätte, zog sie hörbar die Luft ein. Offenbar war ihr das nicht recht. Vielleicht weiß sie nicht so richtig Bescheid und ihr ist nicht klar, dass Banken mit den Zinsen der Dispo-Kredite einen großen Teil ihres Geldes verdienen. Aber ich hatte nicht schon wieder Lust, einer Sparkassen-Tante ihren Job zu erklären. Ich sollte ihr meinen Arbeitsvertrag einscannen und ihr zuschicken, was ich noch am selben Abend (wie verabredet) tat. Mein Arbeitsvertrag ist befristet und ich dachte mir schon, dass dabei vielleicht die Nase gerümpft wird. Also schrieb ich dazu, dass sie sich an der Befristung des Arbeitsvertrages nicht stören soll. Dass 85% der Verträge im Universitätswesen befristet sind. Dass ich seit 2008 bei der Uni Bonn angestellt bin und der Vertrag wieder verlängert wird. Sie rief mich nicht am Folgetag an, wie abgesprochen. Sie schrieb mir irgendwann 2 Tage später eine Email, dass unter diesen Bedingungen kein Dispo-Kredit eingerichtet werde. Um bei der Sparkasse einen Dispo-Kredit zu erhalten, müsste man einen unbefristeten Vertrag vorlegen können.

Das ist es also. Da arbeitet man im öffentlichen Dienst an einer staatlichen Institution. Nicht als Reinigungskraft, nicht als Hausmeister, sondern als Wissenschaftlerin. Und damit ist man bei einer Sparkasse nicht kreditwürdig. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, denn die befristeten Verträge sind politisch gewollt. In der Forschung muss Dynamik sein, da müssen die Leute wechseln, da muss frisches Blut rein. Damit fließt nicht nur ständig Knowhow ab, was den Wissenschaftsstandort Deutschland demontiert. Nein. Es bedeutet für die ach-so-begehrte intellektuelle Elite des Landes einen Zustand, der gemeinhin auch als prekäres Arbeitsverhältnis bezeichnet wird. Einen klareren Beweis dafür, dass die Kombination AkademikerIn+Wissenschaft+Kinder nicht erwünscht und kaum umsetzbar ist, kann es gar nicht geben.

Ich arbeite nun seit über 5 Jahren an der Uni Bonn in der Forschung. Das ist eigentlich mein Traumjob. Leider hat es aber absolut keine Perspektive und die Tatsache, dass ich zwei Kinder habe, macht es nicht gerade leichter. Irgendwann möchte man eben mal die Planungssicherheit, die ein unbefristeter Vertrag sich bietet.  Meine Verträge wurden im Takt von 1-4 Monaten ca. immer wieder verlängert. Richtig sicher habe ich mich gefühlt, als ich die Verlängerung um 6 Monate unterschrieb. Das kam genau einmal vor und war der längste Arbeitsvertrag meines (zugegebener Maßen noch recht kurzen) Arbeitslebens.

Damit bin ich bei der Sparkasse also nicht kreditwürdig. Ich antwortete der Dame in der Sparkassenfiliale Sülzburgstraße, Köln, dass ich unter diesen Bedingungen mein Konto auflösen werde. Im cc meine Kundenberaterin, fügte ich hinzu, dass ich alle bestehenden Verträge mit der Sparkasse kündigen möchte. Ich überlege gerade, wie ich meine Kundenberaterin mit einem Trick um einen Teil ihrer astronomischen Riesterrenten-Provision bringen kann. Ich habe die Kostenstruktur eindeutig besser verstanden als sie.

Ich bin nämlich nicht dumm.

 

 

 

4 Responses to “Bye, Bye Sparkasse!”

  1. Michou

    Sehr schön, bei denen wundert mich ja nichts mehr – zu all dem könnte ich noch einige nur in der Nachsicht lustige Anekdoten und eine geradezu halbkriminelle Geschichte erzählen … aber vielleicht sehen wir uns mal und dann macht es sich gesprochen viel netter als geschrieben.

    Kam denn schon eine – versöhnlich wirkende – Reaktion?

  2. Gahi

    Ohja, das musst Du mir unbedingt erzählen. Wenn sich die viele Arbeit mit Deiner Selbstständigkeit etwas gelichtet hat, machen wir das!

    Mittwoch bekam ich die Mail der Bearbeiterin, meine Antwort ging direkt raus. Bisher kam keine Reaktion. Bin vielleicht ein zu kleiner Fisch 😉

  3. Rainer

    Doofe Geschichte, aber wie in jeder Autowerkstatt, in jedem Laden und selbst bei der Pozilei abhängig von den jeweiligen Leuten, mit denen man zu tun hat. Ich bin seit Mitte der Achtziger bei der Paderborner Sparkasse Kunde. Und kann mich nicht an eine falsche oder zweifelhafte Beratung geschweige denn über Unregelmäßigkeiten beschweren. Hundert-pro zufrieden.

    Unbefristete Verträge sind sicher? Das ist lange her, auch in der Industrie. Ende 2009 wurde aus meinem unbefristeten Vertrag nach 23 Jahren ganz schnell Makulatur. Und das nicht irgendwo, sondern bei Siemens.

  4. michou

    Darauf darf ich mich dann schon mal freuen – im Zweifelsfall haben wir schon zwei Gesprächsthemen, die für Temperament sorgen werden: Kigas und Spakas 😉

    Dabei fällt mir eine Geschichte ein, die mit beidem zu tun hat: in der 10. habe ich ein Praktikum in einem Kindergarten absolviert und während ich mit einigen Kindern Kaufmannsladen spielte, wollte die Kasse sich nicht öffnen. Vor mir steht eine Kleine, grinst mich an und sagt: Stimmts’s? Die Sparkasse ist immer so verklemmt!