Giraffenzirkus im Zoo

Der Zoo Kopenhagen gönnt sich gerade eine Negativ-Kampagne, die seinesgleichen sucht. Schlachten wir doch einfach mal eine junge Giraffe, die gesund, putzig und munter ist. Machen wir das am besten entgegen aller Vernunft Proteste und vor den Augen weinender Kinder. Und weil’s so schön ist, verfüttern wir den Kadaver dann an die Löwen, Eisbären und alles Raubgetier, was wir so haben. Öffentlichkeitswirksam.

Mir ist nicht ganz klar, wieso man sich so einen Image-GAU selbst in’s Haus holt, in der Regel besorgen das selbsternannte Tierrechtler ja schon ganz gut. Dem medialen Aufschrei und der Petition zur Schließung des Zoos werden ein paar halbgare Argumente über Inzucht, Platzmangel undsoweiter entgegengesetzt. Egal, dass mehrere Zoos, auch außereuropäisch, das Tier nehmen wollten. ‚Experten rechtfertigen die Entscheidung mit dem unpassenden Gen-Mix von Marius und dass die Tötung einer Giraffe zur Verfütterung wissenschaftlich gesehen nichts anderes als die Tötung einer Kuh sei. Sehr lustige Äußerung, vor allem wenn man bedenkt, dass es gerade wissenschaftlich gesehen, einen Unterschied macht, ob man eine Giraffe (Giraffa camelopardalis) oder eine Kuh (Bos primigenius) schlachtet. Bei der Giraffe, deren Verwandtschaftsverhältnisse heiß diskutiert werden, besteht zumindest die Möglichkeit, dass das getötete Individuum einer bedrohten Unterart angehört (zugegeben: eher unwahrscheinlich). Bei einem domestizierten Hausrind eher nicht. Die Art Giraffe wird von der IUCN zwar als nicht gefährdet eingestuft, aber zwei Unterarten sind eben doch auf der roten Liste und einige vermutlich noch nicht ausreichend beschrieben. Insgesamt schon unglücklich, auch wenn der diverse Genpool und die Absegnung der Tötung durch das Europäische Zuchtprogramm veritable Argumente sind.

Überrascht war ich eher, dass es überhaupt erst zu diesem ungünstigen Inzucht-Fall kommen konnte. Die Zoos gehören dem Europäische Erhaltungszuchtprogramm an, das ursprünglich gegründet wurde, um stabile und ausgewogene Zoopopulationen zu schaffen, später aber mehr und mehr auch zur Unterstützung aussterbender Arten eingesetzt wurde. Da hatte ich jetzt weniger das Bild der Giraffen-Romanze am Futterkorb vor Augen als den Zoodirektor mit Zuchtbuch und der gezielten Zusammenführung von Bulle und Kuh. Scheinbar funktioniert die Zucht bei Giraffen so gut, dass es tatsächlich eher die Romanze ist – eigentlich ein Grund sich zu freuen.

Trotzdem entspringt jetzt wieder die ganz, ganz große Debatte um Tiere speziell in Zoos und in Gefangenschaft im Allgemeinen. Das Tier hätte ausgewildert werden sollen! Auch keine schlechte Idee. Die horrenden Kosten hätte die Peta übernehmen können und danach hätte das Tier ganz glücklich in der Serengeti gegrast, bis es jämmerlich verreckt wäre irgendein Jagdtourist es für seine Big Five  abgeknallt hätte. Gewinner auf allen Seiten.

Langsam frage ich mich wirklich, warum sich die Tierrechtler immer nur um irgendwelche Viecher in Gefangenschaft sorgen, anstatt sich bei ehrenamtlicher Plackerei im örtlichen Naturschutzgebiet mal ordentlich die Hörner abzustoßen. Achja, wär ja anstrengend. Dabei zeigt der Aufschrei von Medien und Öffentlichkeit doch gerade, wie wichtig Zoos sind. So viel Empathie gibt’s für den armen Laubfrosch um die Ecke nicht, obwohl es bitter nötig wäre. Viele Stadtkinder kommen (großen) Tieren nirgendwo so nah wie in Zoos oder Tier- und Wildparks. Mir ist es lieber, sie lernen das grundsätzliche WieWasWo in einem abgesteckten Rahmen, als dass ich kleine Jungs im Naturschutzgebiet zurückpfeifen muss, weil sie mit Kescher Frösche fangen wollen. Dann glauben ihre Eltern mir ebensowenig wie die Kinder, dass man Wildtiere nicht fangen darf, auch nicht wenn man sie wieder frei lässt. Nicht im Naturschutzgebiet, nirgendwo in Deutschland, nie (§39.1 BNatSchG). Insofern ist ein Schärfen der Sinne für die Belange der Natur immer gut.

Das Schicksal der Giraffe Marius (Was für ein Name!) dagegen lässt sich für mich in zwei Sätzen zusammenfassen:

‚S is schade drum. Die scheene Giraffe!

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